Die Melancholie, wie sie John Milton als
glückliche und weise Göttin gepriesen hat:
but hail thou goodness, sage and holy.
Auch vor dem Angesicht ihrer Allmacht
mögen Verse zeigen, wie sie verdichten können.

(23.10.2016)
Bekannt ist jenes hohe Weib nicht nur vom Hören –
Ein Dürer hat sie uns im Bilde dargestellt.
Ich bring im Wort sie dar der Welt,
in Reimen, die den Wandersmann betören:
Ganz plötzlich an der Ecke traf ich sie.
Hat sie mir aufgelauert allerwegen?
Sie stand dort ungeschützt in Wind und Regen,
bei ihrer Freundin, der Allegorie
und lächelnd hold auf ihre eig’ne Weise
legte sie zart den Finger auf den Mund.
Mein Freund, ich will dir sagen einen Grund,
so sprach sie zu mir, beinahe flüsternd leise:
Du weißt, dass jeder hier sein Kreuzlein trägt
und glaubt, das Seine sei besonders schwer
und die Gedanken wandern hin und her,
indes der Mitternacht die Stunde schlägt.
Doch auch am Tag kann es dich überfallen,
wenn draußen hell die liebe Sonne scheint,
die lacht, indes es in dir weint
und dumpfe Töne aus der Tiefe hallen.
Von ihr verschieden ist die Traurigkeit,
die trauert um den Schatz, der dir verloren.
Der Schwermut Schwestern sind vielleicht die Horen,
die Hüter der noch ungetrübten Zeit.
Die Wissenschaft spricht von der Depression
und sie bezeichnet sich als endogen,
als radikale Opposition,
die mit sich sieht die Welt zugrunde geh’n.
Wir aber sollten sie die Göttin nennen,
die uns vor Oberflächlichkeit bewahrt,
als wäre dies des Menschen eig’ne Art,
zu der wir wie Verrückte uns bekennen.